Ein neuer Blick auf China
Stefan Aust und Adrian Geiges über das chinesische
Jahrhundert
China's Wirtschaft boomt. Nach Angaben von Stefan Aust
und Adrian Geiges (Mit Konfuzius zur Weltmacht, Quadriga)
häuften die Chinesen bis dato rund 3200 Milliarden Dollar-
reserven an. Doch auch bei der Bildung holte das
sozialistische Land auf. Während Deutschland bei der
Pisa-Studie sehr schlecht abschnitt, belegte Shanghai
Platz 1. Die Autoren begründen das mit dem Konfuzianismus,
denn Konfuzius predigte Lernen und Disziplin. Der Titel
des Buches trägt den Namen "Konfuzius", der vor über
2500 Jahren lebte. Doch selbst wenn sich 2011 Studenten
von 24 chinesischen Universitäten auf dessen Lehren berufen,
so sind Konfuzius-Schulen eher die Ausnahme. Weil der
Kapitalismus so schnell in China einzog, sind viele nur
noch auf Geld aus. Die Ethik und die Moral stehen nicht
mehr an erster Stelle. Allerdings gibt es auch Konfuzius-
Internate, in denen Kinder gedrillt werden. Schon
Kindergartenkinder lernen Sätze des Philosophen wie die
"Geordneten Worte" täglich bis zu vier Stunden auswendig.
Tatsächlich geht es dabei um Gehorsam. Einer der Gründer
einer solchen Institution ist Feng Zhe. Seine Konfuzius-Schule
ist für ihn Berufung. Seiner Meinung nach soll es in China
in den kommenden zehn Jahren 10.000 solcher Bildungsstätten
geben. Das Leistungsstreben China's zeigt sich auch im Sport.
Unter Deng Xiaoping sollte das Land bei den Olympischen
Wettbewerben glänzen. Im Jahr 2000 gab es von Chinas Staatsrat
eine "Goldmedaillenstrategie". 20 ausländische Promitrainer
wurden dafür engagiert und jeder Sieger in Gold bekam
35.000 Euro pro Medaille. Doch nur Gold war etwas wert,
Silber und Bronze wurden kaum belohnt. China besitzt Geld,
das das Land auch für andere einsetzt. So sind die Vereinigten
Staaten von Amerika der größte Schuldner, aber die US-Bürger
kaufen auch fleißig in China produzierte Computer, Spielzeuge
und Kleidung. Die Abhängigkeiten beruhen auf Gegenseitigkeit.
Aust und Geiges machen bei allen Superlativen China's
gleichzeitig auf die Schulden der Städte und Provinzen
aufmerksam, die seit der Finanzkrise auf bis zu 2200 Milliarden
Dollar angewachsen sind. Nur die Zentralregierung kann diese
hochverschuldeten Regionen retten. Über das Engagement der
Chinesen in Afrika ist nicht so viel bekannt. In Angola in
Südwestafrika arbeiten womöglich Hunderttausende Chinesen
an Gebäuden für die Afrikaner. Angola besitzt Öl. China zahlte
15 Milliarden Dollar für Öl. Aber statt Geld fließt Leistung.
In einem Tauschgeschäft mit Arbeitskräften, die Immobilien
errichten, gleicht China den Deal aus. Das ist nicht das einzige
Projekt auf dem Schwarzen Kontinent. Die Republik Kongo besitzt
ein Kupfer-Kobalt-Bergwerk. Für sechs Milliarden Dollar für
den Bodenschatz liefert China als Anteilseigner mit 68 Prozent
neue Straßen, Schulen und Krankenhäuser, die von Chinesen
gebaut werden. Der Forschungsdirektor Helmut Reisen vom
Development Center für wirtschaftliche Zusammenarbeit (OECD)
wird mit einem positiven Statement zitiert: "Durch die
Tauschgeschäfte werden rohstoffreiche Länder daran gebunden,
zumindest einen Teil ihres Rohstoffreichtums in Projekte zu
steuern, die der Allgemeinheit zugute kommen." Das Buch über
China ist fair. Es werden sowohl die guten Dienste als auch
kritische Szenen beleuchtet. Es ist sehr ausgewogen, aber nicht
beschönigend. Verallgemeinerungen finden hier keinen Platz,
doch es bleibt eine gewisse Sehnsucht der Verfasser nach
Verbesserungen wie der Ethik und dem tieferen Sinn hinter allem.
(c) Corinna S. Heyn
Stefan Aust/Adrian Geiges,
Mit Konfuzius zur Weltmacht.
Das chinesische Jahrhundert.
Quadriga bei Bastei Lübbe 2012.
www.quadrigaverlag.de
Preis: 19,99 Euro